Transatlantisches Projekt-Monitoring bei Daimler und Uber: Haben die trotz Komplexität alles im Griff?

Image: Uber
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Vor rund einem halben Jahr hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche Uber-CEO Travis Kalanick seine Bereitschaft zu einer Kooperation signalisiert und nun haben die beiden Nägel mit Köpfen gemacht. Selbstfahrende Autos, die von Daimler produziert und via Uber gesteuert werden, sollen daraus in den kommenden Jahren entstehen. Schwäbische Ingenieurskunst trifft auf kalifornische Disruptionsdenke: Wie soll daraus ein erfolgreiches Projekt werden, könnte der kritische Beobachter nun fragen?

Eine gigantische Aufgabe für das Projekt-Monitoring

Mal ganz abgesehen von der Frage, ob sich die Unternehmensphilosophie beider Organisationen verträgt, birgt dieses Projekt aufgrund seiner Komplexität Risiken, wie sie die wenigsten Projektmanagement-Handbücher kennen dürften – eine echte Herkules-Aufgabe für das Projekt-Monitoring!

  1. Geographische Komplexität: Bei diesem transatlantischen Projekt bringt Daimler sein Know-how in Entwicklung, Design und Produktion von Autos ein, während Uber seine Plattform für autonomes Fahren zur Verfügung stellt. Um das Ganze zum Erfolg zu führen, ist eine enge Zusammenarbeit der Teams in beiden Unternehmen unerlässlich. Und hier kommt der Spagat, den Daimler und Uber hinbekommen müssen: Zwischen Stuttgart und San Francisco liegen exakt 9.268 Kilometer – eine geographische Hürde, die ein ohnehin komplexes Projekt nicht leichter macht.

  2. Technologische Komplexität: Autonomes Fahren ist als Idee nicht grundsätzlich neu, doch wirklich überzeugende praxistaugliche Konzepte – mit Ausnahme von Teslas Autopilot – fehlen bisher. Nun kann man sowohl Uber als auch Daimler getrost als Pioniere auf ihrem Gebiet bezeichnen, auch wenn die Tage großen Pionier-Geistes bei Daimler schon etwas länger zurückliegen. Dennoch: Hier soll eine technologische Innovation vollbracht werden, die für beide Unternehmen Neuland ist. Der Grundstein für dieses Projekt wird auf einer grünen Wiese gelegt.

  3. Sprachliche Komplexität: Es mag trivial klingen, doch nicht selten scheitern Projekte an Sprachbarrieren. Zwar hat auch Daimler vor ein paar Jahren Englisch zur offiziellen Firmensprache erchoren. Doch ob sich schwäbische Ingenieure mit kalifornischen Startup-Geeks reibungslos verständigen können, darf zumindest mit einem Fragezeichen versehen werden.

  4. Kulturelle Komplexität: Das Establishment trifft auf den Rebellen, Tradition auf Disruption. Das riecht nach einer spannenden Kombination zweier Unternehmen, deren Historie und Werteverständnis unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Daimler seine Kultur der Integrität in den Vordergrund rückt, fordert Uber von seinen Mitarbeitern “Big Bold Bets”, also viel Mut zu großen Risiken. Wenn Werte und Kultur tatsächlich ernst gemeint sind, geben diese jede Menge Konfliktpotenzial für den Projektalltag her.

  5. Politische Komplexität: Wir gehen nicht weiter auf die aktuelle politische Lage ein, doch eine gewisse Unsicherheit lässt sich auch an dieser Stelle nicht zu 100 Prozent ausschließen. Daran können allerdings weder Daimler noch Uber unmittelbar etwas ändern. Allgemeines Lebensrisiko!

 

90 Prozent der Großprojekte verfehlen Budget- und Zeitpläne

Daimer und Uber liefern uns mit ihrem gemeinsamen Vorhaben eine hochinteressante Fallstudie internationalen Projektmanagements, die die Frage aufwirft: Wie kann das Ganze erfolgreich werden? Zahlreiche Studien beschäftigen sich mit dem Scheitern von Projekten. Zum Beispiel kam Roland Berger zu dem Ergebnis, dass neun von zehn Großprojekten Budget- und Zeitpläne verfehlen. Um mehr als 55 Prozent überstiegen die tatsächlichen Kosten das Budget – von den indirekten Folgen, die ein viel zu später Projektabschluss mit sich bringt, ganz zu schweigen: Verspäteter Go-To-Market und entgangener Umsatz, enttäuschte Kunden, verzweifelte Mitarbeiter und die negativen Auswirkungen auf Marke und Ansehen.

Auch wenn die Gründe für das Scheitern vielfältig sein können, lässt sich ein Muster immer wieder deutlich erkennen: Projektmanager verlieren sich in der Detailplanung und glauben, über die granulare Ausarbeitung jedes einzelnen Projektschrittes, Kontrolle über die Komplexität zu gewinnen. Im Projektalltag stellt sich dieses vermeintliche Kontrollinstrument allerdings häufig als zahnloser Tiger heraus.

Weniger Projektplanung, mehr Projekt-Monitoring

Selbst ein noch so detaillierter Projektplan wird der Komplexität nicht gerecht, mit denen sich Daimler und Uber auseinandersetzen werden müssen. Vielmehr geht es darum, schnell und flexibel auf aktuelle Chancen und Herausforderungen im Sinne eines agilen Projektmanagements zu reagieren. Diese lassen sich am besten unter Einbeziehung aller Beteiligten und Betroffenen identifizieren. Herr Zetsche, Herr Kalanick, wir finden Ihr Projekt großartig und empfehlen Ihnen, die Erfolgsaussichten auf Basis regelmäßiger Umfragen zu beurteilen, anstatt sich auf die subjektive Einschätzung einzelner Projektmitarbeiter zu verlassen.

Nadim Matta und Ronald Ashkenas hatten schon vor über zehn Jahren in ihrem Beitrag in Harvard Business Review davor gewarnt, sich auf einen Projektplan zu verlassen, der zwar den Anschein erweckt, alle Unwägbarkeiten zu berücksichtigen, der aber selten das Rendezvous mit dem Projektalltag überlebt. Befragen Sie lieber in regelmäßigen Abständen möglichst viele Beteiligte und verschaffen Sie sich einen deutlich ausgewogeneren Überblick über die Chancen und Risiken Ihres Projektes. Das Feedback Ihrer Mitarbeiter wiederum ist wertvoller Input für Ihren Projektmanager, der sich nicht mehr nur auf sich selbst verlassen muss, sondern von der Schwarmintelligenz des gesamten Teams profitiert.

Fazit: Daimler und Uber stehen vor einer spannenden Aufgabe. Um das geplante Projekt für autonomes Fahren zum Erfolg zu führen, sollten sich beide Unternehmen auf die Einschätzung aller Projektbeteiligten und nicht auf die Beurteilung eines Einzelnen verlassen. Mit regelmäßigen Online-Umfragen zum Projekt lassen sich die Erfolgsaussichten verlässlich bewerten. Wie setzen Sie Ihr Projekt-Monitoring um? Wir freuen uns auf Ihr Feedback – fordern Sie noch heute eine kostenfreie Live-Demo von Surwayne an und folgen Sie uns auf LinkedIn und Twitter!

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Jasmin Daneschumand

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