Digitale Schmieden sollen es richten: Warum drücken sich Konzerne vor der Digitalisierung?

Image: Dotshock/Shutterstock.com
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Die weltgrößten Konzerne machen sich fit für die Digitalisierung – indirekt zumindest. Initiativen zur digitalen Transformation schießen geradezu wie Pilze aus dem Boden. Dabei steht besonders eine Variante hoch im Kurs: die Einrichtung digitaler Schmieden, die sich des Trendthemas mit viel Fokus und Innovationsbereitschaft annehmen sollen. Ob Axel Springer, BASF, Daimler, Deutsche Bahn, Siemens oder Telekom – kaum ein Großunternehmen scheint ohne Accelerator-Programme und Startup-Initiativen auszukommen.

Innovationsfabriken sollen Digitalisierung beschleunigen

Allein in den USA gibt es mittlerweile mehr als 170 Accelerator-Programme. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl verzehnfacht – Tendenz weiter steigend. Die Krux: Zwar haben Accelerator-Programme durchaus ihren Charme. Junge Unternehmen können schnell agieren und sich in einer Community mit anderen Gründern austauschen. Doch gleichzeitig erwecken die vielen Startup-Initiativen den Eindruck, dass sich die Konzerne selbst vor der Digitalisierung drücken. Man könnte auch sagen: Unternehmen bauen ein digitales Biotop auf, um einer Erneuerung der eigenen Kompetenzen aus dem Weg zu gehen.

Das Plug and Play Tech Center ist so ein Accelerator-Programm und funktioniert wie ein Startup-Camp. Junge Entrepreneure, ausgestattet mit ausreichend Kapital, sollen sich in der Verwirklichung neuer digitaler Ideen versuchen. Finanziert wird das Innovationszentrum von der Crème de la Crème der globalen Wirtschaft. Von Allianz bis Turkish Airlines sind alle Weltunternehmen, die ein bisschen digitale Luft schnuppern wollen, daran beteiligt. Der Track Record spricht für sich: Erfolgreiche Ausgründungen wie PayPal, Dropbox, SoundHound und Lending Club stehen bei Nutzern wie Investoren seit vielen Jahren hoch im Kurs.

 

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Beim weltweit größten Accelerator-Programm Plug and Play mit Hauptsitz im kalifornischen Sunnyvale sind Fehler Bestandteil des Lernprozesses

Image: Plug and Play Tech Center

 

Einmal Silicon Valley zum Mitnehmen, bitte!

„Silicon Valley in a Box“ lautet das Versprechen von Plug and Play – kann man Innovation und digitale Transformation, made in Kalifornien, jetzt also kaufen wie einen Schokoriegel im Supermarkt? Das weltgrößte Accelerator-Programm beherbergt rund 400 Startups und hat seinen Hauptsitz in Sunnyvale im Herzen des Silicon Valley. Axel Springer hat vor vier Jahren das deutsche Spinoff in Berlin eröffnet und versucht, kalifornischen Innovationsgeist nach Berlin zu transferieren. Doch warum nehmen Konzerne wie Springer & Co. den indirekten Weg über Accelerator-Programme und stellen sich nicht selbst den Herausforderungen der digitalen Transformation?

Der finanzielle Erfolg vieler Startup-Initiativen mag ihnen einerseits recht geben. Paradebeispiele wie Dropbox und PayPal haben den Kassen der Investoren zweifelsfrei mehr Haben als Soll beschert. Andererseits sind Erfolgsstorys, bei denen die qualitative Wertschöpfung funktioniert hat, kaum bekannt. Was damit gemeint ist? Wenn sich ein Konzern nicht allein aus finanziellen Gründen an einem Accelerator-Programm beteiligt, sollte früher oder später ein Wissenstransfer stattfinden, der dem Mutterkonzern bei der eigenen digitalen Transformation weiterhilft. Genau an dieser Stelle versagen die meisten Startup-Programme, weil sie so gut wie keinen strategischen Mehrwert generieren.

 

Angst vor Scheitern verhindert effizienten Lernprozess

Um den Kern des Problems zu identifizieren, müssen wir tiefer graben. Hinter der Idee, Innovations- und Digitalisierungsangelegenheiten einem Accelerator-Programm zu überlassen, steckt im Grunde die Angst vor dem eigenen Scheitern. Frei nach dem Motto „lieber Andere Fehler machen lassen, als selbst daneben zu liegen“ haben viele Konzerne ihre Problemlösungskompetenz systematisch abgeschafft. Dabei ist die Idee, erst einmal Andere Fehler zu machen um anschließend selbst daraus zu lernen, äußerst fragwürdig.

Fehler sind integraler Bestandteil eines erfolgreichen Lernprozesses. Der vermeintliche Vorteil, den Konzerne sich aus dem Outsourcing des Fehlermachens erhoffen, wird letztlich zum Nachteil. „Irren ist nützlich“, schrieb Anna Gielas von der Harvard University schon vor vielen Jahren und erklärte, warum sich Fehler unterm Strich auszahlen. In die gleiche Kerbe schlugen Jeff Bezos und Steve Jobs. „Wer Innovationen schafft, macht Fehler. Wichtig ist, sie schnell zu erkennen und an der Verbesserung zu arbeiten“, sagte der Apple-Gründer einst. Wer also andere Fehler machen lässt, in der Hoffnung selbst daraus zu lernen, könnte am Ende scheitern.

 

Neuland digitale Transformation – ohne gemeinsames Lernen geht’s nicht

Ironischerweise ist es aber gerade die Angst vor dem Scheitern, die Konzerne zum Outsourcing des Fehlermachens bewegt. Viele Unternehmenslenker setzen Fehlermachen fälschlicherweise mit Versagen gleich. Dabei sollte längst klar sein, dass digitale Transformation eine neue Herausforderung für alle Beteiligten ist. Die Kategorisierung in Richtig und Falsch trifft nicht den Punkt. Erfolg bei der Digitalisierung kann nur haben, wer sich dem gemeinsamen Lernprozess öffnet und akzeptiert, dass Fehlermachen ein ganz natürlicher Teil dieses Prozesses ist. Einige Unternehmen scheinen jedoch zu dieser Erkenntnis zu kommen und bauen gerade interne Kompetenzzentren für Digitales auf – darunter Deutsche Bahn, Evonik, Oetker, Otto, Porsche und Volkswagen. Wir werden Sie darüber auf dem Laufenden halten, wie sich diese neuen Initiativen entwickeln.

 

Fazit: Accelerator-Programme sollen die digitale Lücke schließen, so das Kalkül vieler Konzerne. Doch die schnell wachsende Zahl dieser Initiativen ist auch ein Symptom der eigenen Angst vorm Scheitern. Fehlermachen wird outgesourct, obwohl Fehler integraler Bestandteil eines erfolgreichen Lernprozesses sind. Wie organisieren Sie gemeinsames Lernen und ermutigen Ihre Mitarbeiter, auch bei Fehlern nicht aufzugeben? Wir freuen uns auf Ihr Feedback – fordern Sie noch heute eine kostenfreie Live-Demo von Surwayne an und folgen Sie uns auf LinkedIn und Twitter!

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Jasmin Daneschumand

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